Ich habe vor kurzem das Buch “Der Evangelische Geistliche”, evtl. besser bekannt unter dem engl. Originaltitel “The Reformed Pastor” von Richard Baxter gelesen. Es hat mich tief beeindruckt. An dieser Stelle möchte ich euch einige Zitate aus dem Buch weitergeben. Dem Kindle sei Dank, denn mit der Markierungsfunktion lassen sich die Stellen sehr schnell auf den PC kopieren.
Nichts kann richtig erkannt werden, wenn man Gott nicht kennt, und kein Studium kann gut betrieben werden, noch zu einem großen Zwecke führen, wenn Gott nicht studiert wird.
Unverziehene Sünde läßt uns nicht zu Ruhe und Gedeihen kommen, wenn wir uns auch noch so viele Mühe geben, sie zu bemänteln; unsere Sünde findet uns, wenn auch wir sie nicht finden wollen.
Denn wer, der eine Zunge hat, kann schweigen, wenn es die Ehre Gottes, das Wohl seiner Kirche und die ewige Seligkeit so vieler Seelen gilt!
Es ist ein grober Irrtum mancher Geistlicher, daß sie zwischen ihrem Predigen und Leben ein so großes Mißverhältnis bestehen lassen, indem sie aufs Fleißigste studieren, um gut zu predigen, wenig aber oder gar nicht, um gut zu leben.
O Brüder, es ist leichter, eine Sünde zu schelten, als sie zu überwinden.
Wollet Ihr es Euch zum Geschäfte machen, Gott zu verherrlichen, wenn Ihr dieß aber getan habt, ihn eben so sehr zu entehren, wie Andere? Wollet Ihr Christi Herrschergewalt verkündigen und doch selbst sie verachten, ja, Euch gegen sie empören? Wollet Ihr seine Gebote predigen und sie wissentlich übertreten? Ist die Sünde ein Übel, warum lebet Ihr denn darin? Ist sie keines, warum warnet Ihr die Menschen davor? Ist sie gefährlich, warum waget Ihr Euch in sie hinein? Ist sie es nicht, warum lehret Ihr die Menschen das Gegentheil? Sind Gottes Drohungen wahr, warum fürchtet Ihr sie nicht? Sind sie falsch, warum behelliget Ihr die Leute unnöthig mit ihnen und setzet sie ohne Ursache in Furcht?
O Brüder! Zittert und bebet Ihr nicht bei der Erwägung all dieser Arbeit! Wird etwa ein gewöhnliches Maß von heiliger Tüchtigkeit und Geschicklichkeit, von Klugheit und anderen Eigenschaften zu einem Geschäfte, wie dieses ist, ausreichen?
Seid Ihr wirklich Christen, so muß Euch der Ruhm Gottes teurer sein, als Euer Leben.
Die Wahrheit liebt das Licht und ist desto schöner, je unverhüllter sie gezeigt wird.
Allein die Wahrheit überwindet das Vorurteil eben durch ihr unverhülltes Auftreten, und es gibt daher keinen besseren Weg, einer guten Sache zum Siege zu verhelfen, als sie so klar und so allgemein bekannt als möglich zu machen. Eben dieses Licht selbst macht einen unvorbereiteten Sinn zum Verständniß fähig.
Es ist nichts Geringes, im Angesichte einer Versammlung sich zu erheben und eine Botschaft des Heils oder der Verdammniß von dem lebendigen Gott im Namen des Erlösers zu verkündigen. Es ist nichts Leichtes, so klar zu sprechen, daß auch die Unwissendsten uns verstehen, so eindringlich, daß auch die erstorbensten Herzen erschüttert, und so überzeugend, daß die widersprechenden Lästerer zum Schweigen gebracht werden.
Von allen Predigten in der Welt aber ist mir am meisten diejenige Art derselben zuwider, welche darauf ausgeht, die Zuhörer lachen zu machen, oder ihre Ohren zu kitzeln und sie gleich Schauspielen zu unterhalten, anstatt sie mit heiliger Ehrfurcht vor Gott zu erfüllen.
Unsere Erläuterungen der göttlichen Wahrheit müssen geistlich und lieber aus der Bibel, als aus menschlichen Schriften genommen sein.
O daß es sogar von gottseligen Geistlichen soll gesagt werden müssen, daß sie auf den Beifall und den höchsten Rang in der Meinung der Menschen so versessen sind, daß sie diejenigen ihrer Brüder, welche ihnen vorgezogen werden, um ihre Talente und Namen beneiden, als ob jedes Lob, das einem Andern zu Theil wird, eine Beeinträchtigung des ihrigen wäre, als ob Gott ihnen ihre Gaben zur bloßen Verzierung und Ausschmückung ihrer Person gegeben hätte, damit sie die Rolle angesehener Leute in der Welt spielen könnten, und als ob alle Gaben Anderer herabzusetzen und geringzuschätzen wären, wenn sie ihrer eigenen Ehre im Wege zu stehen scheinen! Wie? ein Heiliger, ja, ein Prediger Christi sollte Einen um etwas beneiden, was das Bild Christi ist, und Gaben ihm mißgönnen, durch die der Herr verherrlicht werden soll, und das Alles, weil sie seine eigene Herrlichkeit zu beeinträchtigen scheinen!
Viele von uns haben auch eine törichte Schüchternheit, welche uns zurückhält, mit den Leuten offen zu reden. Wir sind fürwahr so blöde, daß wir erröten, wenn wir für Christus sprechen oder dem Teufel entgegentreten oder eine Seele retten sollen, während andererseits Handlungen, über die wir wirklich Scham empfinden sollten, uns weit weniger beschämen.
Wer weiß, daß er nach einem Preise strebt, der, wenn er ihn erhält, seine Ausgaben unendlich überwiegen wird, kann kühn sein ganzes Vermögen daran setzen und Alles verkaufen, um eine so köstliche Perle sich zu verschaffen.


